Zum siebten haben wir uns über den Eid folgendermaßen geeinigt:
Der Eid ist eine Bekräftigung unter denen, die zanken oder Versprechungen machen, und es ist im Gesetz befohlen, dass er im Namen Gottes allein wahrhaftig und nicht falsch geleistet werden soll. Christus, der die Erfüllung des Gesetzes lehrt, der verbietet den Seinen alles Schwören, sowohl recht als auch falsch, sowohl beim Himmel als auch beim Erdreich, bei Jerusalem oder bei unserm Haupt, und das aus dem Grund, den er gleich darauf ausspricht: „Denn ihr könnt nicht ein Haar weiß oder schwarz machen“. Sehet zu! Darum ist alles Schwören verboten. Denn wir können nichts von dem garantieren, was beim Schwören versprochen wird, weil wir an uns nicht das Geringste ändern können. Nun sind einige, die dem einfältigen Gebot Gottes nicht Glauben schenken, sondern sagen und fragen so: Ei, nun hat Gott dem Abraham bei sich selbst geschworen, weil er Gott war (als er ihm nämlich versprach, dass er ihm wohl wollte und dass er sein Gott sein wollte, wenn er seine Gebote hielte); warum sollte ich nicht auch schwören, wenn ich einem etwas verspreche? Antwort: Höre, was die Schrift sagt: „Als Gott den Erben der Verheißung auf überschwängliche Art beweisen wollte, dass sein Ratschluss nicht wankt, legte er einen Eid ab, damit wir durch zwei unerschütterliche Dinge (wodurch es unmöglich war, dass Gott lügen könnte) einen starken Trost haben“. Merke die Bedeutung dieser Schriftstelle: Gott hat Gewalt zu tun, was er dir verbietet. Denn es ist ihm alles möglich. Gott hat dem Abraham einen Eid geschworen - sagt die Schrift -, um zu beweisen, dass sein Rat nicht wankt. Das heißt: Es kann niemand seinem Willen widerstehen und hinderlich werden. Darum konnte er den Eid halten. Wir aber vermögen es nicht, wie es oben von Christus ausgesprochen ist, dass wir den Eid halten oder leisten. Darum sollen wir nicht schwören. Nun sagen weiter einige so: Es ist im Neuen Testament nicht verboten, bei Gott zu schwören, und im Alten sogar geboten. Dagegen sei lediglich verboten, beim Himmel, Erdreich, bei Jerusalem und bei unserm Haupt zu schwören. Antwort. Höre die Schrift: „Wer da schwört beim Himmel, der schwört beim Stuhl Gottes und bei dem, der darauf sitzt“. Merke: Schwören beim Himmel, der ein Stuhl Gottes ist, ist verboten. Wie viel mehr ist es bei Gott selbst verboten! Ihr Narren und Blinden, was ist größer, der Stuhl oder der darauf sitzt? Auch sagen einige so: Wenn es nun unrecht ist, dass man Gott zur Wahrheit gebraucht, so haben die Apostel Petrus und Paulus auch geschworen. Antwort: Petrus und Paulus bezeugen allein das, was von Gott Abraham durch den Eid verheißen war, und sie selbst verheißen nichts, wie die Beispiele klar zeigen. Aber Zeugen und Schwören ist zweierlei. Denn wenn man schwört, so verheißt man Dinge, die noch in der Zukunft liegen, wie dem Abraham Christus verheißen wurde, den wir lange Zeit hernach empfangen haben. Wenn man aber zeugt, dann bezeugt man das Gegenwärtige, ob es gut ist oder böse, wie der Simeon zu Maria von Christus sprach und ihr bezeugte: „Dieser wird gesetzt zu einem Fall und einer Auferstehung vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird“. Dasselbe hat uns auch Christus gelehrt, als er sagte: „Eure Rede soll sein ja ja und nein nein; denn was darüber ist, ist vom Argen“. Er sagt: Eure Rede oder euer Wort soll sein ja und nein, was man nicht so verstehen kann, als ob er den Eid zugelassen habe. Christus ist einfältig ja und nein, und alle, die ihn einfältig suchen, werden sein Wort verstehen.
Amen.
